Theaterstück - DER LIEBHABER - Berlin


"Der Liebhaber" von Harold Pinter



Die Beziehung von Sarah und Richard ist nach 10 Ehejahren ziemlich ins

stocken geraten. Um ihre Ehe wieder aufzufrischen, unternehmen die

beiden einen ebenso ungewöhnlichen wie gefährlichen Spielversuch:

Sarah verbringt ihre Nachmittage mit Max! Begierde und Leidenschaft

sollen wiederkehren und den tristen Alltag bereichern. Immer häufiger

jedoch werden Eitelkeiten verletzt, Grenzen überschritten und

Spielregeln gebrochen. Es kommt zu Demütigungen und Verletzungen

und zwischen den beiden Protagonisten entbrennt ein subtiler, erbitterter

und verzweifelt geführter Kampf, in dem ihnen zusehends die Zügel

entgleiten...



Richard : Hubertus Grimm

Milchmann: Sebastian Stielke

Regie: Kerstin Wentzek

Ensemble Kerubim


Bisher fanden 3 Aufführungen im Berliner Glaskasten statt:
5. Februar 2010 (Premiere), 6. Februar 2010, 5. Februar 2011


FOTOS ( © Ensemble Kerubim )

aus dem Theaterstück "Der Liebhaber"


Zwischen Rolling Stones und Michael Jackson –

„Der Liebhaber“ im Glaskasten


Berlin (EdT) – In einer kalten Jahreszeit und in einer unterkühlten Ehe braucht man dringend etwas zum Wärmen - in beiden Fällen kann „der Liebhaber“ Abhilfe schaffen.


Am 5. und 6. Februar 2010 fanden auf der Bühne des Berliner Glaskastens im Stadtteil Pankow zwei Aufführungen des 1963 uraufgeführten Stückes „Der Liebhaber“ statt. Das neu gegründete Ensemble Kerubim wagte sich an ein frühes Werk des Literaturnobelpreisträgers Harold Pinter.

Nach dem Stones-Hit " Worried about you" kann die Show beginnen - "Kommt Dein Liebhaber heute wieder?", möchte Richard wissen. Und das Spiel zwischen den Ehepartnern beginnt wie jeden Werktag von Neuem. Nach zehn Ehejahren versuchen Sarah und Richard mit einem ungewöhnlichen wie auch gefährlichen Versuch, ihre abwechslungsarme Ehe wieder aufzupeppen. Sie spielen sich gegenseitig den/die Liebhaber/in vor. In unterschiedlichsten Paarkonstellationen proben sie vor der Teestunde neue Formen des Zusammenlebens: Situationen der Verführung und Abwehr, Begierde und jäher Ernüchterung entstehen. Ehemann Richard schleicht sich als Max täglich in sein eigenes Haus, wo seine Ehefrau Sarah ihn mal als Hure Mary und mal als Freundin Dolores bereits erwartet. Eigentlich lieben sich die beiden, immerhin weist Sarah den Milchmann mit seinen unmoralischen Angeboten eindeutig ab, dennoch betrügen sie sich täglich gegenseitig bei dem Versuch, mehr voneinander zu erfahren. Sie scheitern letztendlich, was sich im schaurigen Höhepunkt einer Vergewaltigung ausdrückt.

Die Regisseurin Kerstin Wentzek inszenierte dieses Stück, das sie schon länger in Planung hatte, zusammen mit Birte Wentzek (Sarah), Hubertus Grimm (Richard) in den Hauptrollen sowie Sebastian Stielke (Milchmann, cool und verführerisch) in einer Nebenrolle – gleichzeitig mit der Premiere des Stückes feierte damit auch das Ensemble Kerubim seine erste Aufführung. Sie ist selbst ausgebildete Schauspielerin und kann sich somit in die andere Seite des Drehbuchs sehr gut einfühlen, womit eine berührende und nachdenkliche sowie gleichzeitig effektvolle Inszenierung geschaffen wurde. In einer familiären Atmosphäre schuf sie eine Inszenierung, die die engste Form des Zusammenlebens granular darstellt.

Birte Wentzek und Hubertus Grimm sind dem breiten Publikum aus der ZDF-Telenovela "Wege zum Glück" bekannt und da diese Produktion Wert auf "ordentliches" Schauspielhandwerk legt, können die beiden auch auf der Theaterbühne beweisen, was sie gelernt haben und auch was in ihnen steckt. Und dass beide Theaterspielen können, stellten sie in diesem Stück unter Beweis. Hubertus Grimm drückt seine verschiedenen Figuren in der Rolle bewusst durch seine Körperhaltung sowie Mimik aus - wohingegen Birte Wentzek besonders durch die Modulation ihre Stimme überaus positiv auffällt. Auch mit ihrer Frisur verwandelt sie ihren Charakter und setzt so Akzente als wandelbare Frau (und natürlich Schauspielerin). Birte Wentzek brilliert hierbei durch schnelle, punktgenaue Wechsel in ihrem ganzen (Rollen-)Wesen, das einmal ein devotes Mauerblümchen, ein schüchternes Mädchen, eine dominante Hure oder eine verletzte Ehefrau darstellt.

Hubertus Grimm agiert als männlicher Protagonist mit vielen Gesichtern eines Mannes: Von sanft über gleichgültig bis hin zu brutal. Und man nimmt ihm als Zuschauer alles ab. Den trockenen Schreibtischtäter, der sich mit Dingen der Hochfinanz beschäftigt, die überrumpelte Zufallsbekanntschaft, den einfühlsamen Frauenversteher, den gelangweilten und unzufriedenen Ehemann sowie den brutalen Vergewaltiger. In Sekundenschnelle zeigt er Figuren-Zapping erster Güte und unterstreicht so seine Wandelbarkeit und sein Facettenreichtum.

Textsicherheit mit kleinen Fehlern, die dem Lampenfieber zuzuschreiben sind, kennzeichnen eine solide Arbeit bei beiden während den Proben zu dieser Inszenierung.

Echte Theaterleute können besonders eines: Improvisieren! Und auch hier kommt das Publikum voll auf seine Kosten. Beim Tanz verliert Birte Wentzek einen Schuh, den sie dann behände unter dem Sofa hervorholt. Der zweite Anlass zur Improvisation bot sich bei einer Essensszene ohne Besteck: Mitten in einem Streitgespräch stopft sich Hubertus Grimm den Salat mit den Fingern in die Backen, was natürlich seiner Wut in dieser Szene noch mehr Echtheit verleiht.

Höhepunkt dieser Aufführung ist zweifellos der Pas de Deux zwischen den beiden Protagonisten zu Michael Jacksons "The way you make me feel". Da Hubertus Grimm perfekt den Tanzstil des King of Pop in den Beinen hat und Birte Wentzek ebenso tänzerische Qualitäten besitzt, reißt diese Performance das Publikum mit. Zugegeben, seit dem (kommerziell) erfolgereichen Tanzfilm "Center Stage" ist es nicht gerade neu, eine konfliktreiche Beziehung mit Michael Jackson zu betanzen, aber dieser Titel ist nun mal sehr ausdruckstark für derartige Themen.

Ein weiteres kleines Schmankerl ist Sarahs tägliche TV-Dosis: Bevor Richard um 17:00 Uhr das Haus wieder als er selbst betritt, schaut sie "Wege zum Glück". Dies bringt nicht nur das Publikum im Allgemeinen zum Lachen, sondern insbesondere auch die zahlreich erschienen WzG-Kollegen, die auch darüber hinaus ein kleines Wiedersehensfest feiern durften - immerhin ist diese Produktion bereits seit Dezember 2008 abgedreht und viele gingen ihrer Wege.

Der Kreis schließt sich: Die Stones sind weiterhin "Worried about you", Sarah fragt sich, wann der Rasenmäher aus der Reparatur kommt und der Zuschauer , aus welchen wirklichen Motiven die Eheleute agieren, was schlussendlich durch die Handlung unbeantwortet bleibt. Eines ist aber dem Publikum sofort klar: Das Ensemble Kerubim handelt nur aus einem Motiv: Es war weit mehr als Spielfreude, sie agieren aus Spielenthusiasmus.


Rolling Stones - Worried about you

Michael Jackson - The way you make me feel




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http://www.hubertus-fancommunity.com/index.html

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